Autonomer Bus unterwegs auf den Straßen Berlins

Autonomer Bus unterwegs auf den Straßen Berlins

Erster hochautomatisierter Kleinbus im öffentlichen Straßenland einer deutschen Großstadt 

(Berlin, 16. August 2019) Seit heute fährt der erste hochautomatisierte Kleinbus im öffentlichen Straßenland einer deutschen Großstadt. Die insgesamt acht Partner im Projekt “See-Meile”, darunter auch ioki – die Deutsche Bahn Tochter für innovative Mobilitätslösungen – gaben den Startschuss für den rund fünfmonatigen Testbetrieb. Das Fahrzeug der Firma EasyMile, mit der ioki im Testfeld Bad Birnbach bereits gemeinsam den ersten selbstfahrenden Linienbus Deutschlands auf die Straße gebracht hat, bringt die Fahrgäste bis Ende des Jahres täglich kostenlos vom U-Bahnhof Alt-Tegel bis zu den Seeterrassen am Tegeler See und zurück. Auf dem ca. 1,2 Kilometer langen Rundkurs hält der Bus zusätzlich in beiden Richtungen an der Kreuzung zum Medebacher Weg.

Der Elektrobus von EasyMile ist von Montag bis Freitag jeweils von 7.30 bis 11 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10.30 bis 17.30 Uhr unterwegs. Der selbstfahrende Kleinbus dreht seine Runden, für die er jeweils etwa 15 Minuten braucht, im Metro-Modus. Das bedeutet, er hält immer an allen vier Haltestellen um die Türen zum Ein- und Aussteigen zu öffnen.

Da das Fahrzeug „EZ 10 Gen2“ noch nicht alle Verkehrssituationen selbstständig bewältigen kann, fährt es auf einer zuvor vermessenen und angelernten Route. Während der Fahrt scannt der Kleinbus ständig seine Umgebung ab. Der Test soll unter anderem zeigen, wie die sensiblen Sensoren auf Wetter und Umwelt reagieren, aber auch Aufschlüsse zur Akzeptanz von hochautomatisierten Shuttles im öffentlichen Nahverkehr durch die Nutzer bringen. Um in jedem denkbaren Verkehrsszenario sicher reagieren zu können, ist das Fahrzeug mit maximal 15 km/h unterwegs. Zusätzlich befindet sich zu jeder Zeit ein Fahrzeugbegleiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) an Bord, der den Kleinbus im Notfall zum Stoppen bringt, mögliche Hindernisse umfährt und mobilitätseingeschränkten Fahrgästen behilflich ist. Das Fahrzeug ist klimatisiert und durch eine Rampe barrierefrei zugänglich. Durch veränderte Auflagen ist es allerdings notwendig, eine neue Sicherheitseinrichtung einzubauen, weshalb die Mitnahme von Rollstühlen zu Beginn des Projekts noch nicht möglich sein wird. Kinderwagen dürfen schon jetzt mitfahren.

Unter der Dachmarke „Digitales Testfeld Stadtverkehr“ sind insgesamt acht Partner am Forschungsprojekt See-Meile beteiligt. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe unterstützt den Fahrzeughersteller EasyMile mit einer finanziellen Förderung in Höhe von 200.000 Euro. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz leistet große Hilfestellung bei der Zulassung des Fahrzeugs und der Liniengenehmigung. Die begleitende Akzeptanzstudie wird von ioki durchgeführt. Die Studie fokussiert sich auf die Nutzerakzeptanz und soll Antworten auf folgende Fragen bringen: Wie gestaltet sich die Akzeptanz autonomen Fahrens im Allgemeinen und speziell in Bezug auf die Integration in den ÖPNV? Wie ist das Nutzererlebnis der Fahrgäste sowie der Fahrzeugbegleiter? Aus welchen Gründen wird das Angebot ggf. nicht genutzt? etc. Darüber hinaus sollen Erkenntnisse darüber gesammelt werden, welche anderen möglichen Einsatz-/Nutzungsszenarien autonomer Shuttles es zukünftig geben kann. Darüber hinaus hat der Bezirk Reinickendorf maßgeblich dazu beigetragen, dieses erste automatisierte Projekt im öffentlichen Straßenland zu realisieren. Einen Stellplatz und die Ladeinfrastruktur bekommt das Fahrzeug auf dem Gelände der Berliner Wasserbetriebe. Nicht zuletzt ist auch die Berliner Agentur für Elektromobilität mit an Bord.

„Wir sind davon überzeugt, dass mit solchen hochautomatisierten Shuttles das Angebot im öffentlichen Verkehr perspektivisch deutlich attraktiver werden kann. Die Anbindung an bestehende Schienenverkehre – die sogenannte erste und letzte Meile – kann mit ihnen verbessert werden. Ganz klar ist: Im Moment sind hochautomatisierte Fahrzeuge im ÖPNV vor allem ein spannendes Forschungs- und Entwicklungsfeld. Deshalb werden wir mit unserer DB-Tochter ‚ioki‘ das Projekt See-Meile wissenschaftlich begleiten“, sagt Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der DB für Berlin.