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4. Mrz.
/ Deutschland
Nachgefragt bei Jörg Starr
Jörg Starr hat in der Automobilindustrie schon einige Stationen durchlaufen. Als Manager war er bereits bei Smart und Daimler tätig. Heute arbeitet der Experte für Wasserstoffmobilität bei Audi. Zudem ist Jörg Starr Vorsitzender der Industriepartnerschaft Clean Energy Partnership (CEP). Technologie-, Mineralöl- und Energiekonzerne, Gasproduzenten sowie Automobilhersteller arbeiten hier gemeinsam an der flächendeckenden Etablierung der emissionsfreien Mobilität mit Wasserstoff und Brennstoffzelle.

Die Clean Energy Partnership wurde im Jahr 2002 als Initiative des Deutschen Verkehrsministeriums gegründet, um Industriepartner aus verschiedenen Branchen zu vereinen und um eine nachhaltige Energiewende voranzutreiben. Was ist seitdem passiert?

Wir sind 2002 von der Bundesregierung im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP I) gestartet worden. Als Leuchtturmprojekt hatte die CEP einen klaren Auftrag: Die Mobilität mit Wasserstoff und Brennstoffzelle für die Marktaktivierung vorbereiten. Damals gab es keine Fahrzeuge, keine Tankstellen, keine Logistik. Was sich seitdem getan hat? Eine ganze Menge! Heute sind bereits Serienfahrzeuge auf den Straßen unterwegs und wir haben fast 100 H2-Tankstellen in Deutschland – die Mobilität mit Wasserstoff ist heute Realität!

Mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge können dafür sorgen, dass der Fußabdruck vieler Menschen grüner wird. Wie steht es aktuell um wasserstoffgetriebene Mobilität in Deutschland?

Ein großer Vorteil der H2-Mobilität ist, dass die Kombination aus Wasserstoff und Brennstoffzelle verkehrsträgerübergreifend ein großes Potential hat. Daher sehen wir auch gerade, dass die Mobilität mit Wasserstoff vielfältiger wird: Es gibt bereits Pkw, Busse und Züge. Auch Nutzfahrzeuge wie Gabelstapler und Kehrmaschinen fahren mit Wasserstoff im Tank. An Lösungen für Anwendungen im Schwerlastverkehr arbeiten wir derzeit.

Die Möglichkeit einen Brennstoffzellenantrieb in Fahrzeuge zu integrieren, hat viele Vorteile: kurze Tankzeiten, hohe Reichweiten und ein kleines Gewicht. Dies klingt beim ersten Hinhören sehr vielversprechend. Doch wo liegen die Herausforderungen?

Das große Potential von Wasserstoff ist ein Fakt. In der Umsetzung gibt es natürlich Herausforderungen, denn wir arbeiten an nichts kleinerem als der Verkehrs- und Energiewende. Um in Zukunft die Brennstoffzellenmobilität ausreichend mit grünem Wasserstoff zu versorgen, bedarf es des Aufbaus und der Etablierung einer stabilen H2-Infrastruktur. Auch im Bereich der Herstellung von BZ-Systemen im industriellen Maßstab sind intensive Anstrengungen der Industrie notwendig. Hier gilt es gerade in der Diskussion mit den involvierten Playern zu einer gemeinsamen Agenda zu kommen. Nicht zuletzt gilt es außerdem den regulatorischen Rahmen so zu gestalten, dass eine weitere Marktetablierung möglich und wirtschaftlich abbildbar wird. Die Bundesregierung hat mit der Nationalen Wasserstoffstrategie hier eine wichtige Basis gelegt. Jetzt gilt es an die Umsetzung zu gehen.

Sie beschäftigen sich mittlerweile schon viele Jahre mit der Weiterentwicklung von grünen Mobilitätslösungen. Was denken Sie, was es abgesehen von der Brennsstoffzelle noch braucht, um die Mobilität von morgen nachhaltiger zu gestalten?

Wasserstoff ist eine Lösung für die Fragen unserer Zeit. Ein technologieoffener Zugang ist aber entscheidend, um für alle Anwendungen die richtigen Konzepte zu realisieren. Wichtig ist, dass die Angebote von den Endkunden angenommen werden müssen. Dafür bedarf es eines weiteren Ausbaus der Infrastruktur, sei es bei der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität mit Batterie oder sei es bei der Tankinfrastruktur für Brennstoffzellenfahrzeuge mit H2. Wichtig ist außerdem die Schaffung von finanziellen Anreizen, sodass die emissionsfreie Mobilität auch in Kostenfragen eine wirkliche Alternative ist. Für den Wasserstoff bedeutet dies, das H2 in industriellem Maßstab erzeugt wird und der Bereich der Abgaben und Umlagen auf EE maßgeblich überarbeitet wird, sodass wir die Produktionskosten von grünem Wasserstoff deutlich senken können.

Zukunftsausblick: Mal angenommen, wir befinden uns im Jahr 2040. Wie sieht die Mobilität hier aus, welche Innovationen konnten sich in den vergangenen 20 Jahren durchsetzen?

Es bedarf gar nicht so vieler Innovationen, da die Technologie für eine emissionsfreie Mobilität im Wesentlichen schon vorhanden ist. Wir werden gerade im Bereich der Produktionstechnologie von Brennstoffzellen Innovationen sehen. Einige Anbieter sind  bereits heute auf einem guten Weg Brennstoffzellen-Systeme in industriellem Maßstab zu fertigen. Zum Ende der Dekade wird sich dies vervielfacht haben. Außerdem werden wir sehen, dass weitere Verkehrsträger mit Wasserstoff und Brennstoffzelle hinzugekommen sein werden. Wir werden nicht nur auf der Straße mit Wasserstoff unterwegs sein.

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