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19. Jun.
/ Germany
Coronakrise: Gamechanger während des Klimawandels?
Bessere Luft, blauer Himmel und deutlich weniger Fahrzeuge auf den Straßen: Die Coronakrise hat unserem Planeten eine kleine, wohlverdiente Verschnaufpause verschaffen. Denn durch die Pandemie lassen sich positive Effekte im Hinblick auf die CO2-Emissionen verzeichnen. Aus einer aktuellen Studie geht hervor, dass die teilweise strikten Einschränkungen des öffentlichen Lebens auch die globalen Emissionen gesenkt haben. Um die Ausbreitungen des Virus zu minimieren, wurden weltweit in vielen Ländern strikte Maßnahmen erlassen: So wurden Kontaktbeschränkungen und Homeoffice zur neuen Normalität zahlreicher Menschen. Damit einhergehend veränderte sich auch unser Mobilitäts- und Konsumverhalten.

Für die Betreiber öffentlicher Verkehrssysteme kann das in letzter Konsequenz sogar heißen, dass sie drauflegen müssen. Gleichzeitig brauchen wir in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels mehr denn je flächendeckend nachhaltige und öffentliche Verkehrsangebote, die eine echte Alternative zum motorisierten Individualverkehr darstellen können.

Einen Ausweg aus der Kostenspirale können dabei neue, digitale Lösungen sein. Denn diese können, optimal eingesetzt, signifikant die Effizienz eines Systems steigern und damit die Kosten senken. Wann welche Lösung Sinn macht und in welchem Gebiet diese ihr größtes Potential entfaltet, kann eine datenbasierte Mobilitätsanalyse verraten.  

 Digitalisierung als Effizienz-Booster 

Drei Beispiele für die Integration digitaler Lösungen als echte Effizienz-Booster stellen wir im Folgenden vor.

  1. Echtzeit-Daten zur passgenauen Betriebssteuerung

Vernetzung ist das Stichwort der Digitalisierung. Sei es das Fahrzeug selbst, die nächste Ampel oder die ÖPNV-App: In einer Welt der permanenten Kommunikation ist alles und jeder immer und überall miteinander in Kontakt. Das kann vor allem in puncto Effizienz unschlagbare Vorteile haben. Denn eine in Echtzeit ablaufende Kommunikation inklusive der Übermittlung wichtiger Daten und Informationen ermöglicht auch ein simultanes Eingreifen, zum Beispiel wenn es zu Verzögerungen im Betriebsablauf kommt oder die Zahl der Passagiere kurzfristig signifikant höher oder niedriger ist. So lässt sich das Angebot auch spontan ideal auf die Nachfrage anpassen – für den Kunden ein Erlebnis höchster Servicequalität, für den Betreiber die Chance maximaler Effizienzsteigerung.  

  1. Ridepooling dank intelligenter Algorithmen

Gemeinsam fährt es sich am besten – und so macht Ridepooling nicht nur zugunsten der Umwelt, sondern vor allem auch mit Blick auf die nötigen Ressourcen, positiven Bündelungseffekte und maßgeblichen Einsparungspotentiale Sinn.  

Vor allem für Gebiete, die aufgrund unregelmäßiger oder zu geringer Nachfrage zuvor nicht oder nur sehr lückenhaft an den klassischen ÖPNV angeschlossen werden konnten, kann Ridepooling die optimale Lösung sein.  

  1. On-Demand-Mobilität

Planung ist die halbe Miete? Stimmt! Bei all der Planung sollte jedoch vor allem eins nicht verloren gehen: Flexibilität. Gerade in einer Zeit, die so schnelllebig ist wie keine andere, ist Flexibilität ein ausschlaggebendes Argument bei vielen Entscheidungen. Und so überzeugen derzeit vor allem Lösungen, die auf Abruf verfügbar sind. Netflix, Spotify und Co. können hiervon ein Lied singen. Wieso also nicht auch Mobilität „on demand“ denken?  

On-Demand-Lösungen ermöglichen die Bereitstellung von Mobilität im Einklang mit der tatsächlichen Nachfrage. Vor allem in Randzeiten, zum Beispiel als bedarfsgerechter Nachtverkehr, kann diese Umstellung ein echter Effizienz-Kick sein.  

Je nach Ausgestaltung der digitalen Neuerung können die Effizienz-Effekte größer oder kleiner sein. Gleichzeitig kann dabei entweder die Frage nach mehr Effizienz auf der Kostenseite oder bei der Servicequalität im Fokus stehen. Auf jeden Fall lohnt es sich aber, das bestehende ÖPNV-Angebot einmal datenbasiert unter die Lupe zu nehmen und nach Optimierungspotentialen Ausschau zu halten.  

 

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Die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien gehören zur internationalen Spitze. Das Netz ist dicht und der Takt ist eng. Es ist so gut ausgebaut, dass man den Fahrplan faktisch gar nicht kennen muss. Insgesamt werden hier am Tag 2,61 Millionen Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B befördert. Die Beliebtheit lässt sich auch im Modal-Split erkennen, denn: Die ÖPNV-Nutzer haben die Autofahrer überholt. Rund 38 Prozent der Strecken werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, mit dem Auto „nur noch“ 27 Prozent.2 Doch was macht das imperiale Wien anders als andere Städte?