/ Reading: 3 min.

23. Jul.
/ Germany
Moderne Mobilität in ländlichen Räumen
Knapp 16 Millionen Menschen leben deutschlandweit in ländlichen Regionen. Für sie ist es oftmals ein schwieriges Unterfangen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu gelangen. Denn ländliche Regionen stehen, was den Ausbau des ÖPNV angeht, am hinteren Ende der Schlange. Doch warum ist die Anbindung dieser Regionen so schlecht und der ÖPNV kaum eine Alternative? Wie kann gewährleistet werden, dass auch auf dem Land lebende Menschen klimafreundlich und kostengünstig mobil sein können?
Schlechte Verbindungen, lange Wartezeiten, unkomfortabler Transport 
Auf dem Land ist das Auto nach wie vor das Fortbewegungsmittel Nummer eins, obwohl es weder günstig noch umweltfreundlich ist. Dies liegt allerdings nicht an der unbändigen Lust auf Pferdestärken. Die Bus- und Bahnverbindungen sowie der damit verbundene Fahrplan sind häufig nicht bedarfsgerecht und flexibel genug konzipiert. Fehlende Direktverbindungen, große Lücken im Fahrplan und eine zu lange Reisedauer prägen das Bild des Naheverkehrs auf dem Land. Dies zeigt auch eine Umfrage des ADAC aus dem Jahr 2018, in der 60% der Befragten angeben, dass sie den ländlichen Raum in Mobilitätsfragen für abgehängt halten. 49% der Befragten geben an, dass die Direktverbindungen von A nach B schlecht sind. Ganze 47% sagen, dass sich Ziele nicht in zumutbarer Nähe befinden.

Eine Verbesserung im Bereich des öffentlichen Verkehrs in ländlichen Regionen kann bei den Menschen ein Umdenken verursachen und diese dazu bewegen, öfter auf den ÖPNV zurückzugreifen. Jedoch stellt dies auf Grund der geringen Bevölkerungsdichte, sowie unterschiedlicher Ziele, Reisezeiten und einer schwachen Mobilitätsinfrastruktur eine große Herausforderung für Verkehrsplaner dar. All diese Faktoren führen dazu, dass es in ländlichen Regionen wesentlich schwieriger ist, eine hohe Auslastung der Linienbusse zu erreichen. Gleichzeitig ist es jedoch eine der zentralen Anforderungen an öffentlichen Verkehr, dass dieser überall, jederzeit und für jeden Mobilität, auch ganz unabhängig vom eigenen Auto, ermöglicht.  

Individuell zugeschnittenes Mobilitätsangebot 
Dabei gilt vor allem eins: Mobilität ist ein fundamental individuelles Phänomen. Was in der Stadt des Rätsels Lösung sein kann, mag auf dem Land jeglichen Zweck verfehlen. Daher müssen die Anforderungen an Mobilitätslösungen stets auf die Bedürfnisse der Nutzer vor Ort abgestimmt sein 

Gleichermaßen gilt es, in Zeiten des erhöhten Kostendrucks, neue Lösungen so gewinnbringend und effizient wie möglich zu konzipieren und diese hinsichtlich ihrer ökonomischen und ökologischen Wirkung zu bewerten. Dadurch können neue Mobilitätsformen optimal in das bestehende Verkehrssystem integriert und Lücken in der Verkehrsplanung geschlossen werden. Aufbauend auf einer Mobilitätsanalyse können so zum Beispiel On-Demand-Lösungen für alle garantiert werden – ganz unabhängig vom Wohnort. Per App oder Telefon kann ein dynamisches Fahrzeugsystem genutzt werden, ohne fest vorgegebene Fahrpläne oder Routen.  Hierdurch entsteht ein digitaler und barrierefreier Bedarfsverkehr. Durch die Digitalisierung des aktuellen Mobilitätsangebotes verbessert sich allerdings nicht nur der Zugang zum aktuellen Mobilitätsangebot, sondern auch dessen Wirtschaftlichkeit. Fahrzeuge setzen sich erst dann in Bewegung, wenn wirklich Bedarf besteht.  

Verbesserte Lebensqualität durch modernen ÖPNV 
Mobilität bedeutet wesentlich mehr als einfach nur von A nach B zu kommen. Mobilität bedeutet Unabhängigkeit. Die Qualität des ÖPNV spielt eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung, wo wir leben, arbeiten, einkaufen und unsere freie Zeit verbringen. Am Ende bedeutet eine solide und moderne Mobilitätsinfrastruktur mehr Lebensqualität. Bedarfsgerechte On-Demand-Lösungen können dabei helfen, solch eine moderne Mobilitätsinfrastruktur zu etablieren und damit die Lebensqualität der Menschen in ländlichen Regionen nachhaltig zu verbessern sowie das Angebot des ÖPNV kosteneffizient auszubauen.

 

 

 

 

Neuester Artikel

Unsere Tipps für weihnachtliches Homeoffice – ioki

Unsere Tipps für weihnachtliches Homeoffice – ioki

Accenture, Fjord, ioki

Mobilität ist ein vielschichtiges Konstrukt. Ihre Entwicklung wird nicht nur von einer immer stärker werdenden Digitalisierung beeinflusst. Auch Megatrends wie Urbanisierung, Neo-Ökologie, der demografische Wandel und ein stark wachsender Mobilitätsbedarf spielen eine Rolle.

Vier Fragen an … Jana Lenort – Head of People bei ioki

Vier Fragen an … Jana Lenort – Head of People bei ioki

Accenture, Fjord, ioki

Mobilität ist ein vielschichtiges Konstrukt. Ihre Entwicklung wird nicht nur von einer immer stärker werdenden Digitalisierung beeinflusst. Auch Megatrends wie Urbanisierung, Neo-Ökologie, der demografische Wandel und ein stark wachsender Mobilitätsbedarf spielen eine Rolle.

Verwandte Artikel

Autofreie Stadt: sinnvolle Reformierung oder Wunschvorstellung?

Autofreie Stadt: sinnvolle Reformierung oder Wunschvorstellung?

Betrachtet man unsere Gesellschaft ohne Vorwissen aus der Vogelperspektive, wirkt es so, als ob sich der Gedanke eines Planeten mit endlosen Ressourcen stark in der den Köpfen der Menschen manifestiert hat. Ein Musterbeispiel für diese Denkweise ist die heutige Nutzung des motorisierten Individualverkehrs. Möchte ich Autofahren setze ich mich in mein Auto, tanke voll, schnalle mich an, drücke auf das Gaspedal und fahre los. Diese Denkweise ist gefährlich und weit gefehlt. Der motorisierte Individualverkehr bedingt, dass Ressourcen verbraucht werden – bei einem Auto, das durchschnittlich 1,5 Tonnen wiegt, sind das rund 70 Tonnen Material nur in der Produktion. Zusätzlich belastet das Auto die Umwelt bei jeder Nutzung und nimmt vor allem in Großstädten zu viel Platz in Anspruch.

Nachgefragt bei Prof. Peter Eckart

Nachgefragt bei Prof. Peter Eckart

Prof. Peter Eckart studierte Produktdesign an der Bergischen Universität GHS Wuppertal und später an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit Bernd Hilpert das Designbüro unit-design, Frankfurt, Bern, mit dem er unter anderem auch für die Deutsche Bahn tätig ist. Seit dem Jahr 2000 ist Peter Eckart Professor für integrierendes Design an der HfG Offenbach und seit 2011 Vizepräsident der Hochschule. Sein zentrales Forschungs- und Gestaltungsfeld ist Mobilitätsdesign. Seit 2018 leitet er mit Prof. Dr. Kai Vöckler ein interdisziplinäres LOEWE Forschungsprojekt mit den Bereichen Stadt- und Verkehrsplanung, sozialwissenschaftliche Mobilitätsforschung, multimediale Technologien und Design mit dem Titel project-mo.de, das sich mit der Rolle von Design bei der Veränderung des Mobilitätsverhaltens beschäftigt.