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18. Feb.
/ Germany
NACHGEFRAGT bei Martin Neubauer
Martin Neubauer hat schon an mehreren Haltestellen im Mobilitätssektor Halt gemacht. Seit zwei Jahren ist er bei PostAuto tätig und ist hier verantwortlich für den Geschäftsbereich des autonomen Fahrens. Seit Ende 2020 hat er außerdem sein Mandat als Geschäftsleiter des Vereins Swiss Association for Autonomous Mobility inne. Wir haben von Martin spannende Insights rund um die Entwicklung autonomer Verkehre im ÖPNV erfahren.

Lieber Martin, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast! Fangen wir damit an, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Was genau verbirgt sich hinter SAAM und was sind Eure Ziele für 2022?

Im Rahmen der Swiss Association for Autonomous Mobility (SAAM) arbeiten bedeutende Schweizer Mobilitätsanbieter eng zusammen, um den Einsatz von selbstfahrenden Fahrzeugen voranzutreiben. SAAM koordiniert entsprechende Projekte in der Schweiz und steuert den Know-how-Transfer zwischen den verschiedenen Parteien. Ziel ist, dass die Schweiz Pionierland für effiziente und autonome Mobilität wird.

Welche Rolle wird ioki dabei spielen?

ioki hat sich im Bereich des autonomen Fahrens bereits als Vorreiter etabliert und einige Meilensteine für den deutschen Markt gesetzt, vom Testbetrieb auf geschlossenem Gelände bis hin zur Verknüpfung eines On-Demand-Buchungssystems mit autonom fahrenden Fahrzeugen. Unsere SAAM-Mitglieder und ioki haben ein beträchtliches Fachwissen in diesem Bereich aufgebaut.  Es ist also nur folgerichtig, wenn sich beide Parteien miteinander verbinden und vom jeweiligen Knowhow des anderen profitieren.

Die Rede von autonomen Fahrzeugen im ÖPNV lässt in vielen Köpfen das Bild von futuristischen Zukunftsszenarien aufkommen. Gib uns ein Update zum Status quo: Inwieweit werden autonome Fahrzeuge in der ÖPNV-Verkehrsplanung bereits jetzt schon berücksichtigt?

Die ÖV Betreiber in der Schweiz haben vielfältige Erfahrungen im Betrieb automatisierter Systeme gemacht. Wir wissen also, worauf es im Betrieb solcher Systeme mit Fahrgästen an Bord ankommt. Für uns gilt es nun darauf zu warten, dass die technischen Systeme ausgereifter sind und eine höhere Zuverlässigkeit gewährleisten können. Das heißt aber nicht, dass wir nicht weiter Erfahrungen sammeln möchten. Das Thema automatisiertes Fahren selbst nimmt nun aber richtig Fahrt auf. Das liegt zu einen an der neuen deutschen Gesetzgebung zum automatisierten Fahren, die eine gute Übergangslösung darstellt, bis auf internationaler Ebene harmonisierte Vorschriften vorliegen. Andererseits werden nun auch Zulieferer in diesem Bereich medienwirksam aktiv. Grundsätzlich gilt aber folgendes Motto: „Der Weg das Ziel.“ Automatisiertes Fahren ist ein (sehr wichtiger) Baustein von vielen Bausteinen, die es zu beachten gilt. Es gibt unzählige technische, soziale und regulatorische Aspekte, mit denen wir uns noch genauer auseinandersetzen müssen. Darunter fällt beispielsweise die richtige Einbindung der Leitstelle, die in schwierigen Situationen automatisierte Fahrzeuge per Fernkontrolle aus steuern müssen.

… und welche Vorteile bringen solche autonomen Verkehre mit sich?

Die Chancen des autonomen Fahrens lassen sich wesentlich von der Eigenschaft ableiten, dass kein Fahrer zur Bewegung des Fahrzeugs benötigt wird und der Insasse nun eine passive Rolle innehält. Für den ÖV spielt das Thema Inklusion eine essentielle Rolle. Das automatisierte Fahren bietet Personen mit eingeschränkter Mobilität und verminderter Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr (zum Beispiel aufgrund von Alter, Behinderung, Medikamentenkonsum) die Möglichkeit, am allgemeinen Mobilitätsleben verstärkt teilzunehmen.

Mit automatisierten Fahrzeugen reduzieren sich Verkehrsunfälle und somit auch die sozialen Kosten. Der Verkehrsfluss kann optimiert werden bei gleichzeitiger Reduktion des CO2-Austosses (weniger Autos, stärkere Elektrifizierung der Flotte). Mit der Automatisierung können Dienste zu niedrigeren Betriebskosten (fahrerlos) angeboten werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass im besten Fall die Nutzung von automatisierten Fahrzeugen zu besser zugänglichen, grüneren, integrativeren und sichereren Städten, Vorstädten und ländlichen Gebieten führen können.

Der Mobilitätssektor ist divers. Was genau ist es, dass dich persönlich am Themenschwerpunkt des autonomen Fahrens so begeistert?

Ich war schon immer begeistert von innovativer, aber auch komplexer Technologie. Das automatisierte Fahren vereint vieles, darunter komplexe technische, aber auch soziale und regulatorische Aspekte. Weitaus wichtiger ist aber, dass ich mit meiner Tätigkeit das Gefühl habe, den Menschen und unserer Umwelt Gutes zu tun zu können.

Martin, vielen Dank für deine Zeit!

 

 

 

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Seit 2010 ist Andreas im Mobilitätsuniversum unterwegs: Von flinc, über den DB-Fuhrparkservice bis hin zu seiner Position als Head of Backend Engineering bei ioki hat Andreas schon an einigen Stationen Halt gemacht. Bei ioki kümmert er sich mit seinen über 20 Jahren IT-Expertise darum, neue Architekturen und Einzelkomponenten für unser Betriebssystem zu entwickeln und die vorhandenen Architekturen zu erweitern, unter anderem auch um unser Betriebssystem für andere Transportanbieter zu öffnen – kundenzentriert und bedarfsgerecht. Andreas, vielen Dank, dass Du dir die Zeit genommen hast.