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15. Okt 2020
/ Deutschland
Nachgefragt bei Prof. Peter Eckart
Prof. Peter Eckart studierte Produktdesign an der Bergischen Universität GHS Wuppertal und später an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit Bernd Hilpert das Designbüro unit-design, Frankfurt, Bern, mit dem er unter anderem auch für die Deutsche Bahn tätig ist. Seit dem Jahr 2000 ist Peter Eckart Professor für integrierendes Design an der HfG Offenbach und seit 2011 Vizepräsident der Hochschule. Sein zentrales Forschungs- und Gestaltungsfeld ist Mobilitätsdesign. Seit 2018 leitet er mit Prof. Dr. Kai Vöckler ein interdisziplinäres LOEWE Forschungsprojekt mit den Bereichen Stadt- und Verkehrsplanung, sozialwissenschaftliche Mobilitätsforschung, multimediale Technologien und Design mit dem Titel project-mo.de, das sich mit der Rolle von Design bei der Veränderung des Mobilitätsverhaltens beschäftigt.

Für fachfremde ist der direkte Bezug zwischen moderner Mobilität und Design nicht unbedingt klar erkennbar. Können Sie uns in einigen Sätzen erklären, welcher direkte Zusammenhang zwischen diesen beiden Themengebieten besteht und warum dieser so wichtig ist?

Design vermittelt zwischen Mensch und Technologie, Mensch und System, Mensch und Gesellschaft usw. und ist damit in der Schlüsselrolle bei der Vermittlung von zukünftiger Technologie. Das weiß die Automobilindustrie schon lange. Autos werden nicht auf funktionaler oder rationaler Ebene verkauft, sondern immer nur über intrinsische Motive wie Status, Wert, Sicherheit, Lifestyle usw. Gleichzeitig macht Design komplexe Systeme verständlich, indem es Nutzende in das Zentrum der Entwicklung stellt. Ein Produkt kann, im Sinne des universal Design, nur von möglichst vielen verstanden werden, wenn die Schnittstellen entsprechend gestaltet werden. Dazu gehören alle Ebenen der Gestaltung: die Strukturierung und Gewichtung von Informationen, die Form, Symbole, Feedbacks, Klang, Oberfläche, Atmosphäre usw. Jeder Aspekt ist Träger von Information und Bedeutung.

Was genau ist es, dass Sie an moderner Mobilität – vor allem auch aus der Design-Perspektive – so spannend finden?

Mich interessiert eigentlich ausschließlich der Gedanke, dass zukünftige Mobilität nicht von dem Gedanken an Fahrzeuge und Infrastruktur bestimmt wird, sondern der Vorstellung, dass zukünftige Mobilität ähnlich wie bei der Digitalisierung als Software gedacht wird. Dann kann ich als Nutzer individuell bestimmen, wie ich mich fortbewegen möchte. Unabhängig von einem Transportmittel, sondern nach meinem jeweiligen Wunsch. Die Zukunft von Mobilität sollte demnach inter- oder multimodal sein und als Service betrachtet werden. Der Besitz eines eigenen Autos schließt sich bei dem Gedanken aus. Die Vorstellung vom Besitzen wechselt zur Zugänglichkeit zu einem System. Dabei interessiert es mich solche Systeme visionär zu entwickeln, Vorstellungen und Entwürfe für neue Fahrzeuge, auch Fahrräder, zukünftige Infrastruktur, Schnittstellen oder Orientierungssysteme zu entwerfen.

Auch die Schnittstelle von Mobilität und Digitalisierung ist ein spannendes Thema. Durch die Digitalisierung von Angeboten ergeben sich völlig neue Möglichkeiten im Gebiet der Mobilität: On-Demand-Services, Sharing-Möglichkeiten oder ganz simpel die Möglichkeit am PoS per App bargeldlos zu bezahlen. Was denken Sie, welche dieser ganzen Lösungen ein besonders starkes Zukunftspotential hat?

Bargeldloses Zahlen und plattformübergreifende, individualisierte Fakturierungen sind sicher der Schlüssel. Gleichzeitig haben solche Systeme, im Sinne des Design, die Aufgabe von allen verstanden zu werden und vor allem Vertrauen zu vermitteln. Das macht das Design.

Zu guter Letzt: Welche Stadt haben Sie vor Augen, wenn Sie an die perfekt ausgestaltete Mobilitätslösung denken? Gibt es in Ihren Augen ein Paradebeispiel?

Für mich sind das immer Städte, in denen das eigene Auto keinen Platz mehr hat und keinen Raum beansprucht. Es gibt ja schon Beispiele, wie Madrid, Oslo, Wien oder die Innenstadt von Amsterdam, wo für eigene Autos eigentlich kein Platz mehr ist. Kopenhagen hat einen Anteil der Fahrradmobilität von mehr als 50%. Interessant finde ich auch den Gedanken Tuktuks als öffentliches und teilbares Mobilitätsangebot in der Stadt zu streuen. Auch wenn man nur die Bilder von Delhi mit Staus im Kopf hat, würden diese Städte ohne Tuktuks nicht funktionieren. Insgesamt gibt es unzählige Einzel- und Mischprojekte weltweit, die eine andere Mobilität zum Ziel haben. Immer dort wo eine klare Zielsetzung existiert, auch politisch, finden die spannendsten Veränderungen statt. Erst recht mit Corona. Neben neu entstehenden Städten in Holland, die grundlegend autofrei geplant sind, gibt es auch visionäre Zukunftsmodelle wie die Smart City von BIG Architekten für Toyota, die vielleicht schon begriffen haben, dass die Zukunft der Automobilindustrie nicht darin liegt Autos zu produzieren, sondern Mobilität zu verkaufen.

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