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26. Mrz.
/ Germany
It’s all about data: Vernetzte Mobilitätsdaten für mehr Kundenfokus
Ob soziodemografische oder geografische Daten, Angaben aus Wegetagebüchern aus Haushaltsbefragungen oder Personenströme aus Mobilfunkdaten – mobilitätsbezogene Daten und Informationen sind in Zeiten der Digitalisierung in großer Menge vorhanden, werden jedoch noch zu selten zur Entwicklung nutzerzentrierter Services und Angebote verwendet.

Dabei schlummert in den vorhandenen Daten erhebliches Potential, um die Mobilitätsbedürfnisse einer Region im Detail zu erfassen und zu analysieren, entlang unterschiedlicher Szenarien neue Lösungen zu simulieren und schließlich darauf aufbauend den laufenden Betrieb nachhaltig, kosteneffizient und bedarfsorientiert zu optimieren.  

Ein solch datengetriebenes Vorgehen kann dabei sowohl für Verkehrsverbünde als auch für Kommunen, Städte und Unternehmen gleichermaßen sinnvoll sein. Denn nur unter Hinzuziehung vorhandener Daten lassen sich neue Mobilitätsangebote – sei es für Kunden, Bürger oder Mitarbeiter – passgenau in bestehende Systeme einfügen und den tatsächlichen Anforderungen an neue Mobilitätskonzepte begegnen.  

Der springende Punkt von Mobilitätsanalysen ist übrigens die Kombination aus strukturellen und individuellen Kennzahlen. So finden sowohl Daten der Makro- als auch der Mikroebene Berücksichtigung und ermöglichen gleichermaßen Aussagen über die Art und Weise wie eine Gruppe von A nach B gelangt als auch über die zugrundeliegende Motivation, warum sich die Gruppe entsprechend entlang der gewählten Mittel fortbewegt.  

Mit diesen nahezu unbändigen Möglichkeiten der vorhandenen Daten geht jedoch automatisch auch die Notwendigkeit einer sicheren und im Sinne der Allgemeinheit konstituierten Daten-Infrastruktur einher. Denn das vermutlich größte Potential datengetriebener Mobilitätslösungen ist der zugrundeliegende, ganzheitliche Ansatz. So berücksichtigt eine erfolgreiche Mobilitätsanalyse eben nicht nur einzelne Eckpfeiler eines Systems, sondern denkt sämtliche Fragestellungen und Lösungsvorschläge eingebettet in das Gesamtkonstrukt. Das Ergebnis: ein optimaler Mobilitätsmix.  

Doch wem obliegt nun die Verantwortung der Datenverwaltung? Welche Instanz ist die geeignete Schnittstelle zwischen den verschiedenen Mobilitätsanbietern und -nutzern? Mobilität, so viel ist klar, ist schon lang keine Aufgabe einzelner Privatunternehmen mehr. Als Mittel zur Freiheit und gesellschaftlicher Teilhabe ist es vielmehr eine gesamtgesellschaftliche und damit öffentliche Herausforderung, die es zu analysieren, orchestrieren und schließlich umzusetzen gilt. Damit wird deutlich, dass auch die Verwaltung der Daten nicht in der Kompetenz einzelner Unternehmen liegen darf, sondern durch die öffentliche Hand gesteuert und vernetzt werden muss. 

Im Umkehrschluss müssen sich auch die Verkehrsunternehmen immer mehr in Richtung Plattform entwickeln, um den öffentlichen Datenschatz gewinnbringend anzuwenden und in ganzheitliche Angebote zu überführen. Mit diesem Bild vor Augen spannt sich schließlich ein Gesamtgefüge bestehend aus den verschiedenen Interessensgruppen auf, das mit der öffentlichen Hand als Verwaltung der Daten den Schlüssel für kunden- und nutzerzentrierte Mobilitätslösungen parat hat.   

Dass wir unssei es in Deutschland und auch darüber hinaus bei all dem noch am Anfang des Weges befinden, ist kein Geheimnis. Dennoch zeigen erste, auf Datenbasis umgesetzte und optimierte, Projekte den massiven Mehrwert dieses Ansatzes auf. 

Für konkrete Beispiele lohnt es sich übrigens, in den nächsten Wochen bei uns dranzubleiben. Denn dann schauen wir uns schrittweise die möglichen Anknüpfungspunkte einer Mobilitätsanalyse sowie entsprechende Beispiele an.  

 

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NACHGEFRAGT bei Silke Höhl

NACHGEFRAGT bei Silke Höhl

Silke Höhl ist Doktorandin im Research Lab for Urban Transport (ReLUT) an der Frankfurt University of Applied Sciences. Die Bau- und Wirtschaftsingenieurin gewann 2019 beim Innovationspreis der Allianz Pro Schiene den Wettbewerb „Beste Idee 2019“. Ihr Konzept: Eine innovative Paketlieferung. Dabei geht es nicht darum, eine neue Verkehrsinfrastruktur auf die Beine zu stellen, sondern den in den Städten bereits gut ausgebauten ÖPNV zu nutzen. Die Idee: U- und Straßenbahnen übernehmen den Transport der Pakete in die Innenstädte und ein Lastenrad übernimmt von dort aus die letzten die Kilometer bis zur Haustür.

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