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6. Jul.
/ Germany
Mobilität zwischen Effektivität und Effizienz
Keine Sorge, in diesem Beitrag werden wir nicht das Einmaleins der BWL auffrischen. Vielmehr möchten wir überprüfen, inwiefern sich die eventuell bereits etwas angestaubte, aber dennoch gültige und maßgebliche Theorie mit unserer täglichen Praxis, nämlich der Transformation des ÖPNV, verbinden lässt.

Denn gerade in Zeiten des erhöhten Kostendrucks rücken Begriffe wie Effektivität und Effizienz einmal mehr in den Fokus und werden häufig zur handlungsleitenden Prämisse.

Doch wie können diese beiden Prinzipien nun auf Mobilität übertragen werden? Wie lässt sich effizient eine effektive Mobilität planen? Oder ist es gar andersherum? Wir klären auf! Zur Erinnerung: Während Effektivität für „die richtigen Dinge tun“ steht, meint Effizienz „die Dinge richtig tun“. Was wiederum richtig ist, ergibt sich aus Kontext und Ziel.  

Nun, in Zeiten des Klimawandels als eine der aktuell größten ökonomischen, ökologischen, gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen scheint es in puncto Mobilität vor allem richtig, nachhaltige Ansätze und Konzepte zu fördern. Die Antwort auf die Frage nach der effektivsten Lösung lautet damit für Mobilitätsanbieter, politische Institutionen sowie Nutzer gleichermaßen: grüne Lösungen für mehr Mobilität und weniger Verkehr sind das Mittel der Wahl. 

Zu prüfen bleibt, wie sich dieses effektive Ziel nun bestmöglich – und damit effizient – erreichen lässt. Der Faktor Effizienz richtet sich dabei vor allem auf Fragen der Wirksamkeit sowie Wirtschaftlichkeit. Zum einen muss ein Verkehrssystem so konzipiert sein, dass es die tatsächlichen Bedarfe optimal bedient. Zum anderen muss es dabei die vorhandenen Ressourcen passgenau einsetzen, um bei minimalen Kosten ein maximales Ergebnis zu erzielen.  

Mobilitätsanalysen und On-Demand-Lösungen für mehr Effizienz

Die Praxis hat gezeigt, dass vor allem Angebotserweiterungen und -neuerungen, die sich vorab im Detail mit diesen Fragestellungen auseinandergesetzt haben, dem Bedarf des Kunden bestmöglich begegnen. Für eine im Sinne der Wirksamkeit effiziente Mobilitätslösung braucht es vorab also vor allem eine genaue Prüfung der Mobilitätssituation und -bedarfe vor Ort. Eine solche kann eine Mobilitätsanalyse leisten, die datenbasiert zum Beispiel geografische, verkehrliche oder sozio-demografische Informationen übereinanderlegt und so ein Gesamtbild des Verkehrsangebots sowie der -nachfrage zeichnet.  

Mit diesem Wissen können nun effizient im Sinne der Wirtschaftlichkeit konkrete Maßnahmen passgenau umgesetzt werden. Dabei kann es ökonomisch und ökologisch durchaus gewinnbringend sein, das Rad nicht vollkommen neu zu erfinden, sondern lediglich die vorhandenen Ressourcen in einem anderen Licht zu betrachten. Denn vielleicht genügt es ja schon, den fahrplanbasierten Linienverkehr inklusive (zu) großer Gefäße in einen bedarfsgerechten und flexiblen Flächenverkehr zu transformieren?  

Stichhaltige Hinweise auf Lösungswege wie diesen liefert in jedem Fall eine Mobilitätsanalyse, die schließlich zum Beispiel mit der Digitalisierung existierender Lösungen oder der Integration von On-Demand-Services in einem effizienten, wettbewerbsfähigen und innovativen Verkehrssystem gipfeln kann. 

Das Zusammenspiel dieser beiden Ebenen des Effizienzbegriffs, nämlich die Betrachtung der Wirksamkeit ebenso wie der Wirtschaftlichkeit, ermöglicht schließlich die effiziente Erreichung einer effektiven Mobilität. 

 

 

 

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Nachgefragt bei Prof. Peter Eckart

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Prof. Peter Eckart studierte Produktdesign an der Bergischen Universität GHS Wuppertal und später an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit Bernd Hilpert das Designbüro unit-design, Frankfurt, Bern, mit dem er unter anderem auch für die Deutsche Bahn tätig ist. Seit dem Jahr 2000 ist Peter Eckart Professor für integrierendes Design an der HfG Offenbach und seit 2011 Vizepräsident der Hochschule. Sein zentrales Forschungs- und Gestaltungsfeld ist Mobilitätsdesign. Seit 2018 leitet er mit Prof. Dr. Kai Vöckler ein interdisziplinäres LOEWE Forschungsprojekt mit den Bereichen Stadt- und Verkehrsplanung, sozialwissenschaftliche Mobilitätsforschung, multimediale Technologien und Design mit dem Titel project-mo.de, das sich mit der Rolle von Design bei der Veränderung des Mobilitätsverhaltens beschäftigt.