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22. Feb 2024
/ Germany
Seniorenfreundlicher ÖPNV: Wie muss ein altersgerechter Öffentlicher Nahverkehr aussehen?
Die Bevölkerung in Europa altert: 2019 war mehr als ein Fünftel (20,3 Prozent) der Einwohnerinnen und Einwohner der EU-27 mindestens 65 Jahre alt. Tendenz weiter steigend. Der demographische Wandel ist für den Nahverkehr eine Herausforderung, kann aber mit einem passgenauen Mobilitätsangebot für Seniorinnen und Senioren auch eine Wachstumschance sein. Denn, wenn ältere Personen nicht mehr Auto fahren, sind sie verstärkt auf den ÖPNV angewiesen, um weiterhin am gesellschaftlichen Leben aktiv teilnehmen zu können.

Der öffentliche Verkehr muss besonders in Bezug auf Erreichbarkeit und Barrierefreiheit die ältere Generation überzeugen. Kurze Laufwege und ein verlässlicher Takt, auch in ländlichen Regionen, trägt dazu bei, dass die Mobilität und dadurch die Lebensqualität erhalten bleibt. Barrierearme Angebote wie Niederflurfahrzeuge, erhöhte Bordsteine an Haltestellen und funktionierende Aufzüge sowie ausreichend Platz im Fahrzeug für Gehilfen und Rollstühle machen das Mitfahren einfacher und sicherer. Das gilt nicht nur für Seniorinnen und Senioren, sondern auch für andere mobilitätseingeschränkte Personengruppen. Neben dem physischen Zugang sind die verfügbaren Informationen zum Nahverkehrsangebot und eine gute Beschilderung wichtige Faktoren für ältere Personen, die mit dem Nahverkehr unterwegs sind.

Größter Hebel beim Prozess der Umgestaltung ist die aktive Einbeziehung der Nutzergruppe. Die Stadt Münster, die Stadt Hamburg oder der Kreis Offenbach machen es vor: Sie alle setzen auf eine klare, zielgruppengerechte Kommunikation und bedarfsgerechte Angebote wie On-Demand-Verkehre. Weitere Stellschrauben waren einzelne kleine Veränderungen wie z. B. mehr Sitzgelegenheiten mit Armlehnen oder eine bessere Beleuchtung in den Abendstunden. Zusätzlich unterstützen Mobilitätsberatungen bei der alltäglichen Mobilität und geben Seniorinnen und Senioren zentrale Tipps für die Nutzung von Bus, Bahn und Co.

Diese sind besonders wichtig, wenn digitale Bedarfsverkehre ins Spiel kommen: Spezielle Infoveranstaltungen in Stadtteil- oder Seniorentreffs informieren ältere Menschen über die Benutzung der neuen Mobilitätsangebote. Einfache Schritt-für-Schritt-Anleitungen ohne Fachbegriffe und Anglizismen auf Flyern oder direkt in den Apps erklären die Nutzung so einfach wie möglich.

Zudem können die App-Anbieter einiges tun, um den Bedürfnissen dieser Zielgruppe nachzukommen. So bietet die Fahrgast App von ioki neben der einfachen Bedienung und In-App-Erklärung die Möglichkeit zur Mitnahme von Rollstühlen oder anderen Gehilfen. Der Algorithmus sorgt im Hintergrund dafür, dass ein passendes barrierearmes Fahrzeug die Fahrtanfrage übernimmt. Über zusätzliche Buchungsmöglichkeiten per Telefon oder per Web-Browser können auch jene Personen selbst bestimmt mobil sein, die sich mit dem Smartphone (noch) unsicher fühlen.

Es gilt: Die ältere Generation lehnt digitale Mobilitätsangebote mit Smartphone-Nutzung nicht kategorisch ab, nur weil sie diese nicht gewohnt ist. Solange die Apps einfach gestaltet, gut bedienbar und mit Schulungen kombiniert sind, steht deren Nutzung nichts im Weg.

Andreas Maatz, Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach, bringt die Vorteile von On-Demand-Verkehren für die ältere Generation auf den Punkt:

„[…] es ist erst recht kein Luxus, wenn wir älteren und teils gebrechlichen Menschen die Möglichkeit geben, mit dem komfortablen Hopper zum Einkaufen, zum Arzt oder einfach nur zu einem Treffen mit anderen Menschen zu fahren. Das ist echte Teilhabe. […] Der Begriff der neuen Lebensqualität wird uns immer wieder in den Rückmeldungen und auch Dankesschreiben dieser Menschen gespiegelt. Diesen Anspruch und unser Versprechen an die ältere Generation sollten wir ernst nehmen und entsprechend handeln.“[1]

Wenn die Aspekte und die Bedürfnisse der Älteren bei der Verkehrsplanung im öffentlichen Raum mitgedacht werden, bedeutet älter werden keineswegs eine Einschränkung der Mobilität. Im Gegenteil, solche Bemühungen sorgen für die Bewegungsfreiheit der Generation und erhöhen die Akzeptanz für weitere technologiebasierte Mobilitätsangebote wie autonomes Fahren.

 

[1] Maatz, Andreas (2023): Ein On-Demand-Angebot im Reallabor. In: Tagesspiegel Background, https://background.tagesspiegel.de/mobilitaet/ein-on-demand-angebot-im-reallabor.

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Nachgefragt bei Milena Akemann

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Milena ist als Technical Product Managerin im Mobility Analytics & Consulting Team tätigt. Zu ioki ist sie über ein Praktikum im Anschluss an ihr Mathematikstudium gekommen. Als Mathematikerin hat sie eine Leidenschaft für alles rund um das Thema Optimierung und es war ihr wichtig, ihre Fähigkeiten zukunftsgestaltend einzusetzen. Über ein Seminar an der Uni zum Thema mathematische Verkehrsplanung hat sie dann die Mobilität für sich entdeckt.

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