/ Reading: 3 min.

28. Feb.
/ Germany
Kostenloser ÖPNV – Unsere Nachbarn machen es vor
Die Idee, einen kostenlosen ÖPNV zu etablieren, ist momentan in aller Munde. Doch ist das DIE Lösung? Luxemburg, unser Nachbarland und kaum größer als das Saarland, macht es vor und führt mit seinen 600.000 Einwohnern als erstes Land weltweit den kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr ein. Was verspricht man sich von dem Experiment?
In Luxemburg können sowohl Einheimische als auch Touristen bald das Großherzogtum mit Bus oder Bahn kostenlos erkunden. Bislang fließen 41 Millionen Steuergelder in das Konzept, welches den kleinen EU-Staat zum Vorreiter macht. 

Luxemburg ist die reichste Stadt Europas und weltweit unter den Top 4 in puncto höchste Autodichte: Allein aus Deutschland, Belgien und Frankeich reisen täglich rund 200.000 Pendler in den kleinen Staat. Dementsprechend ist Stau sowohl morgens als auch abends vorprogrammiert.  

Gerade für Großstädte bietet sich das Konzept des kostenlosen ÖPNV an, denn auf die – unter anderem – langen Autoschlangen und die ewige Parkplatzsuche verzichten Stadtbewohner und Touristen gleichermaßen gerne. Aber wird mit einer Aufhebung der Kosten automatisch die Attraktivität des ÖPNV so maßgeblich gesteigert, dass überzeugte Autofahrer zur Nutzung des ÖPNV animiert werden können? Laut einer Statista-Umfrage, die im Juni 2019 erschienen ist, sind 64 % der Befragten aus den 10 größten Städten Deutschlands gegenüber der Abschaffung der Gebühren für den Nahverkehr sehr positiv eingestellt.  

Das Ziel, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und damit eine Verkehrswende einzuleiten, ist zumindest ein Anfang, dessen Erfolg allerdings stark von der richtigen Umsetzung abhängig ist: Das Schienennetz muss zugunsten eines einfacheren Umstiegs ausgebaut werden und um eine Überlastung des ÖPNV zu vermeiden, müssen außerdem sowohl die Taktungen, als auch die Kapazitäten ausgebessert werden. Denn es wird wohl kaum ein überzeugter Autofahrer auf den ÖPNV umsteigen, wenn der Weg zur Arbeit mit dem ÖPNV wesentlich unkomfortabler und zeitraubender ist.  

In dieser Beobachtung zeigt sich vor allem eins: Neben finanziellen Anreizen ist es vor allem eine Frage der persönlichen Motivation, ob man für den Umstieg vom Auto auf eine nachhaltigere Alternative bereit ist – denn der erste Schritt beginnt immer im Kopf. 

Wir sind auf jeden Fall gespannt, ob der kostenlose Nahverkehr sich als ein positiver Schritt beweist und auf die Verkehrswende dauerhaft einzahlt. Übrigens: Für eine gerechte Mobilität sollten solche Ideen nicht nur für den urbanen Raum durchdacht werden, sondern auch im Kontext ländlicher Mobilität Berücksichtigung finden.  

Neuester Artikel

Grüne Flotte

Grüne Flotte

Das Fuhrparkmanagement folgt gesellschaftlichen und ökonomischen Trends: Neue Arbeitsformen, Digitalisierung und der Wertewandel hin zu einem stärkeren Verständnis für Nachhaltigkeit wirken sich auf die Gestaltung betrieblich organisierter Mobilität aus. Doch was bedeutet dieser stetige Wandel der Mobilitätsstrukturen für Unternehmen und wo liegen die Chancen?

Verwandte Artikel

Grüne Flotte

Grüne Flotte

Das Fuhrparkmanagement folgt gesellschaftlichen und ökonomischen Trends: Neue Arbeitsformen, Digitalisierung und der Wertewandel hin zu einem stärkeren Verständnis für Nachhaltigkeit wirken sich auf die Gestaltung betrieblich organisierter Mobilität aus. Doch was bedeutet dieser stetige Wandel der Mobilitätsstrukturen für Unternehmen und wo liegen die Chancen?

Das Wiener Modell

Das Wiener Modell

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien gehören zur internationalen Spitze. Das Netz ist dicht und der Takt ist eng. Es ist so gut ausgebaut, dass man den Fahrplan faktisch gar nicht kennen muss. Insgesamt werden hier am Tag 2,61 Millionen Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B befördert. Die Beliebtheit lässt sich auch im Modal-Split erkennen, denn: Die ÖPNV-Nutzer haben die Autofahrer überholt. Rund 38 Prozent der Strecken werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, mit dem Auto „nur noch“ 27 Prozent.2 Doch was macht das imperiale Wien anders als andere Städte?