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12. Juni 2026
/ Germany
Nachgefragt bei Eva Fraedrich: Welchen Beitrag leisten On-Demand-Verkehre im ÖPNV?
Eva Fraedrich von Ramboll Management Consultung beschäftigt sich seit Jahren mit der Wirkung von On-Demand-Verkehren auf den ÖPNV. Auf Basis der bisher umfangreichsten Datengrundlage haben sie und ihr Team ermittelt, wann On-Demand-Verkehre im ÖPNV erfolgreich eingesetzt werden können. Die Daten der untersuchten On-Demand-Verkehre für diese Studien lieferte unter anderem auch ioki.

Frau Fraedrich, Ihre Studie trägt den Titel „Vom Piloten ins System“. Was hat Sie und das Team dazu bewogen, genau das zu untersuchen?  

Die Ausgangsbeobachtung war einfach: On-Demand-Verkehre sind in vielen Regionen Realität, aber die Diskussion ist noch stark von Pilotlogiken und betrieblichen Kennzahlen geprägt. Die Bewertung ist oft pauschal, entweder Allheilmittel oder ineffizienter Zusatzverkehr. Uns hat interessiert, welche Rolle diese Angebote tatsächlich im ÖPNV-System spielen und unter welchen Voraussetzungen sie einen messbaren Beitrag leisten. Diese Einordnung fehlte bislang, dabei ist sie zentral, gerade weil die öffentlichen Mittel knapp sind und der Druck auf den ÖPNV gleichzeitig wächst.

Wie sind Sie methodisch vorgegangen?

Wir haben für die Studie Daten aus über 50 On-Demand-Angeboten ausgewertet. Einige der Verkehre sind in sich weiter ausdifferenziert, wie der Hofer Landbus, daher haben wir schließlich mehr als 100 Bediengebiete in Relation zum bestehenden ÖPNV und der sogenannten „Bedienungsqualität“ betrachtet. So konnten wir systematisch einordnen, wie stark On-Demand-Angebote dort wirken, wo sie zum Einsatz kommen.

Was unsere Studie besonders macht: Wir konnten auf eine sehr breite Unterstützung der Aufgabenträger zurückgreifen! Ohne die und vor allem natürlich auch die Bereitstellung der Daten in exzellenter Qualität sowohl von ioki als auch von Via – übrigens auch ein echtes Novum – wäre die Arbeit gar nicht möglich gewesen.

Was hat Sie in den Daten am meisten überrascht?

Das Ausmaß, in dem die Verkehre wirken und wie klar sie als Puzzlestück im ÖPNV-System erkennbar werden. Ich befasse mich seit vielen Jahren mit On-Demand, aber erst jetzt konnten wir eine wichtige Lücke schließen: Der Nutzen entsteht nicht automatisch, sondern aus der Rolle, die ein Angebot im jeweiligen System einnimmt. Die Debatte dreht sich oft um die Frage, ob On-Demand „funktioniert“ oder „zu teuer“ ist – beides greift zu kurz. Entscheidend ist, ob ein Angebot im konkreten räumlichen und verkehrlichen Kontext eine Versorgungslücke schließt, Verbindungen verbessert oder Erreichbarkeit schafft.

Was bedeutet das für Städte, Gemeinden und Kommunen, die unter Haushaltsdruck stehen?

Gerade unter knapper werdenden Mitteln ist die Systemperspektive auf On-Demand-Verkehre entscheidend. Die Angebote sind pro Fahrt oft kostenintensiv – daraus lässt sich aber nicht ableiten, ob sie wirtschaftlich sind oder nicht. Auch der Linienverkehr ist in manchen Räumen und zu bestimmten Zeiten eine ineffiziente Art, öffentliche Mobilität bereitzustellen. Ein Entweder-Oder verkennt die Potenziale einer besseren Verzahnung der Verkehrsangebote. Die entscheidende Frage lautet daher: „Welches Leistungsniveau kann ich mit einem gegebenen Budget im Gesamtsystem erreichen?“

Sie schreiben, dass On-Demand-Verkehre ohne klare Zieldefinition teuer und wirkungsschwach bleiben. Was meinen Sie damit genau?

On-Demand kann unterschiedliche Funktionen erfüllen: Zugang sichern, Angebotslücken schließen, neue Verbindungen bereitstellen oder die Qualität bestehender Angebote weiter erhöhen; aber nicht alles gleichzeitig. Deshalb ist eine klare Zieldefinition vor der Ausgestaltung so wichtig: Welche Rolle soll das Angebot konkret übernehmen, welches Problem soll es lösen? Erst daraus ergibt sich, wie es sinnvoll geplant, dimensioniert und integriert werden kann.

Fehlt diese Klarheit, hat man schlimmstenfalls einen On-Demand-Verkehr aufgesetzt, der für vieles gedacht ist, aber auf nichts richtig ausgerichtet wurde. Mit begrenzter Wirkung, bei gleichzeitig hohen Kosten. Teuer und wirkungsschwach wird On-Demand also vor allem dann, wenn seine Funktion im Gesamtsystem nicht sauber bestimmt ist.

Was sollten Verantwortliche aus der Studie für die Planung von On-Demand-Verkehren mitnehmen?

Der wichtigste Punkt ist ein Perspektivwechsel: On-Demand sollte nicht als zusätzliches Angebot betrachtet werden, sondern als Teil des Gesamtsystems öffentlicher Verkehr. Das bedeutet konkret, nicht „On-Demand vs. Linie“ zu denken, sondern “Zielniveau vs. Mitteleinsatz”; also vom bestehenden System ausgehen und gezielt dort ansetzen, wo der größte Mehrwert entsteht.

On-Demand entfaltet seinen Nutzen nicht automatisch, sondern nur dort, wo seine Funktion im ÖPNV-System klar bestimmt ist.

Entscheidend sind deshalb drei Dinge: eine klare Zielsetzung, eine gute Integration in den übrigen ÖPNV und eine Planung, die den Systemnutzen in den Mittelpunkt stellt. Dann kann On-Demand einen relevanten Beitrag leisten – als passgenauer Baustein im öffentlichen Verkehr.

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