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30. Apr.
/ Deutschland
Smart Cities in Deutschland
Digitalisierung als Motor für den Mobilitätswandel

Der Digitalverband Bitkom präsentierte, zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software-Engineering (IESE) und 13 weiteren Partnern erstmals einen Smart-City-Atlas. Das Resultat: Bereits 50 deutsche Städte sind auf dem Weg zu einer Smart City – das heißt, dort werden bereits technische, gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Innovationen vorangetrieben und gefördert.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • 19 Städte haben bereits eine Digitale Agenda verabschiedet
  • 29 Städte entwickeln eine Digitale Agenda

Die wichtigsten Themenfelder:

  • Verwaltung
  • Mobilität
  • Energie & Umwelt
  • Gesundheit
  • Bildung
  • Handel
  • Gesellschaft
  • Sicherheit
  • IT-Infrastruktur
  • Datenplattform

Welche Kriterien müssen erfüllt sein, um im Atlas aufgenommen zu werden?

Eine Kommune muss eine integrierte Digital-Strategie entwickeln, eine ressortübergreifende Organisationseinheit schaffen oder ein lokales Partnernetzwerk für die Digitalisierung etablieren.

Wer steht drin?

Im Smart-City-Atlas wird jede der bisher 50 deutschen Städte aufgeführt und ausführlich beschrieben. Hier werden Fakten, wie die jeweilige Organisationsstruktur sowie aktuelle Leuchtturmprojekte porträtiert. Darunter befinden sich nicht nur Großstädte wie Hamburg, München oder Leipzig, sondern auch Mittelstädte wie bspw. Bad Hersfeld (Hessen), Coburg (Bayern) oder Lemgo (Nordrhein-Westfalen). Nordrhein-Westfalen hat mit 15 und Baden-Württemberg mit 8 Kommunen den höchsten Smart-City-Anteil aller Bundesländer. Zudem fördern beide Bundesländer mittels spezifischer Landesprogramme die Digitalisierung von Städten und Kommunen. Bayern folgt mit 7, Niedersachsen mit 5 und Sachsen schließlich mit 3 Kommunen.

Smart-Cities-Initiativen im Überblick

Was bedeutet Mobilität eigentlich heutzutage?

Mobilität ist, wie oben bereits aufgeführt, der zweitwichtigste Interessensfaktor einer Smart City. Doch was bedeutet Mobilität eigentlich in der heutigen urbanen Gesellschaft und welche Kennzeichen müssen erfüllt werden? Die Antworten darauf, gibt das Zentrum für Smart Cities:

Vor einigen Jahrzehnten wurde Mobilität noch mit der Freiheit des Menschen gleichgesetzt, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass sich dieser mit neuen Verkehrsmitteln unabhängig von Wohnort und Arbeitsplatz bewegen könne.

Da es immer mehr Menschen in die Städte zieht und der Wohnraum dadurch immer knapper wird, so stoßen auch zunehmend die vorhandenen Verkehrsinfrastrukturen an ihre Grenzen und erhöhen die Nachfrage nach ausgleichenden bzw. alternativen Mobilitätsmöglichkeiten.

“Blättert” man nun ein wenig im Smart City Atlas, so fällt vor allem auf, dass in mittelgroßen Städten wie Lemgo, Ludwigsburg, Bad Hersfeld oder Wuppertal der Verkehr und die damit zusammenhängende Infrastruktur die populärsten Mobilitätsthemen sind. Seien es intelligente Parkleitsysteme, Echtzeiterfassung der Parkräume, Intelligente Verkehrssteuerung oder KI-basierte Mobilität. Zieht man noch die Förderung des Nahverkehrs, sowie eine bessere Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer in einer stadtweiten Kommunikationsinfrastruktur hinzu, so ergeben sich drei Merkmale der Mobilität innerhalb einer Smart City.

Welches Ziel verfolgen diese Merkmale?

Ziel ist es vor allem, Stau in den Ballungsräumen von Stadtzentren bzw. generell die Anzahl der Autos in den Innenstädten zu reduzieren. Ähnlich wie unser Blutkreislaufsystem, dient der Öffentliche (Nah-)Verkehr als Grundversorgung der Allgemeinheit und bringt Menschen- und Warenströme zuverlässig an ihr Ziel. Bei einer Überbelastung kann es jedoch schnell zu einem Infarkt kommen.

Hier kommen alternative, digitale und möglichst umweltschonende Mobilitätskonzepte ins Spiel, die im Idealfall als Ergänzung des ÖPNV, in Form von Mobility-as-a-Service, On-Demand-Verkehr, Ridepooling- oder Carsharing-Angeboten, agieren. Darüber hinaus gibt es Konzepte zur Überwachung und Datensammlung des Verkehrs, um eine effizientere Verkehrslenkung innerhalb der Städte zu ermöglichen. Auf der anderen Seite werden wiederum auch Autos mit intelligenten Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Mit alternativen Antriebstechniken kann wiederum der CO2-Ausstoß reduziert werden.

Zusammengefasst:

An Konzepten und Lösungsvorschlägen mangelt es seitens der Wirtschaft und Politik auf jeden Fall nicht und es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, sie alle ernsthaft aufzählen zu wollen. Es lässt sich festhalten, dass bereits Spatenstiche eines erstrebenswerten, digitalen und urbanen Stadtbildes durchgeführt werden. Smart Cities sind die Hoffnungsträger der Städte von morgen und nehmen die Rolle eines Ideal- bzw. Leitbildes ein. Dabei geht es natürlich in erster Linie nicht nur um Mobilität, sondern auch um die Aspekte Wohnen, Arbeiten und Leben.

Bild (alle Rechte vorbehalten): pexels

Bild 2 (alle Rechte vorbehalten): Bitkom.org

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NACHGEFRAGT bei Tyll Diebold

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Tyll Diebold ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Verkehrsplanung und Logistik an der TU Hamburg. Er hat das Projekt ioki Hamburg von Anfang an wissenschaftlich mitbegleitet und vor Kurzem die Studie „On-Demand-Angebote als Bestandteil des ÖPNV“ veröffentlicht. Nach seinem Master of Science in „Logistik, Infrastruktur und Mobilität“ an der TU Hamburg im Jahr 2016, war er zunächst für ein Jahr in einem Ingenieurbüro tätig, ehe er zur Promotion an die TU Hamburg zurückkehrte.

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