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19. Feb.
/ Deutschland
Studie: Mobilitätskonzepte der Zukunft. Welche Anforderungen stellt die deutsche Bevölkerung an autonome Fahrzeuge?
Weltweit werden innerhalb verschiedener Unternehmen oder universitär geleiteten Forschungsprojekten zukünftige Mobilitätskonzepte erforscht.

Neben der Umsetzung von alternativen Antriebstechniken im alltäglichen Straßenverkehr nimmt vor allem der Aspekt des autonomen Fahrens eine zentrale Schlüsselposition ein. Oftmals wird jedoch der Aspekt der Technik dem des Menschen vorgezogen. Mittelpunkt dieses Artikels wird eine Studie vorgestellt, die im Gegensatz zum eben genannten Fall vom Menschen aus auf die Technik schließt.

UNICARagil – agile, autonome Fahrzeugkonzepte der Zukunft

Es geht um das, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt UNICARagil. Die Motivation des Projekts liegt vor allem darin, dass eine Grundlage für einen nachhaltigen und intelligenten Straßenverkehr neuartige Mobilitäts- und Transportkonzepte sowie Verbesserungen der Verkehrssicherheit und Lebensqualität in urbanen Räumen geschaffen wird.

Im Rahmen des Projektes untersuchte das Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen University im Sommer 2018 die Erwartungshaltung, Anforderungen und Wünsche der Bevölkerung an autonome Fahrzeuge. Anhand einer Online Befragung mit 619 Teilnehmern erörterte man die Ergebnisse, die im Januar 2019 präsentiert wurden.

Das Projekt UNICARagil verfolgt das Ziel, ein System aus Hardware- und Softwaremodulen für fahrerlose, autonome Fahrzeuge zu entwickeln. Daraus manifestieren sich vier verschiedene Fahrzeugkonzepte mit unterschiedlichen Anforderungen:

  1. AUTOelfe: der private „Butler“ für alle Fahrten im Alltag zu Schule, Sport und Supermarkt
  2. AUTOtaxi: ein Taxi, das per Smartphone geordert werden kann
  3. AUTOshuttle: ergänzt den ÖPNV und befördert 6-8 Personen; bewegt und verhält sich wie ein Schienenfahrzeug
  4. AUTOliefer: ein fahrerloses Lieferfahrzeug für die automatisierte Zustellung von Paketsendungen.

Erörterung: Aktuelles Mobilitätsverhalten

Zu diesen vier Konzepten wurde zunächst das aktuelle Mobilitätsverhalten sowie die Einstellung gegenüber autonomen Fahrzeugen abgefragt: Die größten vier Ärgernisse hinsichtlich der Mobilität bzw. des eigenen Fahrzeugs beziehen sich auf das zu hohe Verkehrsaufkommen, den Zustand des ÖPNV, die damit verbundenen Kosten sowie den Mangel an Parkplätzen.

Die Bedenken, die sich gegenüber dem autonomen Fahren erörtern lassen, beziehen sich, in der Reihenfolge absteigend, auf unausgereifte Technik, Akzeptanz nach ersten Unfällen, Manipulation der Technik durch Hacker, unvernetzte Verkehrsteilnehmer, Kontrollverlust über die Technik, sowie ethische und rechtliche Bedenken und Rahmenbedingungen.

Ergebnisse:

Tendenziell zeigen sich jedoch 85% der Befragten grundsätzlichen aufgeschlossen gegenüber dem autonomen Fahren. Mit diesem Ergebnis gehen einige Erwartungshaltungen einher: 73% erwarten durch den Einsatz von autonomen Fahrzeugen weniger Staus, 67% erhoffen sich erhöhte Sicherheit und mehr als die Hälfte der Befragten erwarten mehr Komfort.

Bei dem Modell des AUTOshuttles besteht eine erhöhte Akzeptanz kurze Strecken in Kauf zu nehmen, allerdings versucht ebenfalls ein großer Prozentsatz Sitzplätze in der Fahrtrichtung zu meiden. Als Anregung bzw. Wunsch steht vor allem die Planbarkeit an oberster Stelle: Pünktlichkeit, Ortung, Kosten, Stornierbarkeit, Belegung und mögliche Anschlussfahrten sollten bestmöglich in einer App koordiniert werden. Damit Einher geht natürlich der Punkt der Flexibilität: Die Abholung sollte direkt vor der Haustür erfolgen und das bestmöglich rund um die Uhr, sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum.

In der Interaktion mit dem AUTOtaxi ist Ridepooling von bis zu 81,1% erwünscht. Im Abschnitt der Anregungen und Wünsche steht der Punkt der Kosten im Vordergrund: Die Preise sollten am liebsten unter den der heutigen Taxipreise sein. Dabei sollte die Fahrzeuggröße dabei je nach Zweck variieren können und für die Sicherheit innerhalb des Autos vor anderen Passagieren gesorgt werden, ebenso wie vor dem Auto selbst.

Der alltägliche, private Gebrauch des AUTOelfe-Modells sollte bestmöglichst per App geregelt werden, aber sharing ist durchaus erwünscht. Der Punkt der Datensicherheit scheint hier allerdings eine hohe Priorität aufzuweisen. 65,2% möchten beispielsweise nicht, dass sich das Fahrzeug mit dem eigenen Haus verknüpfen kann.

Durch den stark zunehmenden Online-Handel werden als Folge neue innovative Zustellkonzepte gefordert. Im Rahmen des UNICARagil-Projekts kommt hier der AUTOliefer zum Einsatz. Laut der Umfrage sind Sammelbestellungen verschiedener Anbieter in einer Paketbox pro Haushalt erwünscht. Zudem haben über 50% der Befragten Interesse daran Spät- oder Nachtlieferungen zu empfangen, solange sie diese nicht persönlich entgegennehmen müssen. Über 70% sind zudem an einer automatisierten Abholung von Retouren interessiert.

Mithilfe dieser Ergebnisse, die in die weitere Konzeption der vier Fahrzeuge mit einfließen sollen, lassen sich demnach wertvolle Ergebnisse im Rahmen der autonomen Technik zusammenfassen.

Bild (alle Rechte vorbehalten): ADAC

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