/ Reading: 4 min.

16. Okt.
/ Deutschland
Vier Thesen zur Mobilität der Zukunft
Das letzte Quartal des Jahres hat begonnen und wir nähern uns bereits in großen Schritten dem Ende von 2019. Zeit für uns, einen kleinen Blick in die Zukunft zu wagen. Wie wird sich Mobilität in der nächsten Zeit verändern? Welche Trends werden wir erleben? Und welche Maßnahmen können wir daraus schon heute ableiten?

1. Mobilität wird autonomer – im doppelten Wortsinn.

In der Mobilitätsbranche scheint sich in den letzten Jahren alles um das Thema des autonomen Fahrens als die Zukunftsvision zu drehen. Zugegeben: Die Idee eines fahrerlosen Fahrzeugs, das den Fahrgast sicher und bequem von A nach B bringt, hat auf jeden Fall erhebliches Potential – für die Erfahrung des Fahrgasts, für die Sicherheit auf den Straßen und schließlich auch für die wirtschaftliche Tragbarkeit neuer Mobilitätsformen, vor allem im Bereich On-Demand.

In einem zweiten Schritt lässt sich autonom jedoch auch auf das Verständnis von Mobilität allgemein übertragen. Denn einhergehend mit neuen, digitalen Möglichkeiten, wird auch Mobilität eigenständig und emanzipiert sich als vielschichtiges Phänomen von ihren klassischen Grundpfeilern, so zum Beispiel vom PKW-basierten Individualverkehr. Erkennen lässt sich dies nicht zuletzt an dem derzeitigen Wandel, den vor allem Metropolen durchlaufen. So hat zum Beispiel die Stadt Amsterdam bekanntgegeben, in den nächsten Jahren bis zu 10.000 Parkplätze streichen zu wollen und damit den Stadtbewohnern kostbaren Lebensraum zurückzugeben

2. Mobilität wird kooperativer.

All die E-Scooter-Anbieter, die in den letzten Monaten aus dem Boden gesprossen sind, sind Beweis genug: Neben etablierten Playern strömen zunehmend auch Startups mit innovativen Mobilitätslösungen auf den Markt. Diese greifen jedoch selten als direkte Konkurrenten die Kernprodukte der Traditionsunternehmen an, sondern fügen sich vielmehr gewinnbringend in die Mobilitätskette ein. So können bestehende Angebote wie der klassische ÖPNV über neue Mikromobilitätsformen sinnvoll ergänzt und gestärkt werden.

Die große Herausforderung, die sich aus diesem Zusammentreffen ergibt, ist der Aufbau strategischer Partnerschaften. Denn all die neuen Lösungen helfen nur, wenn sie ganzheitlich und im Zusammenspiel mit den bestehenden gedacht, entwickelt und dem Kunden zur Verfügung gestellt werden. Damit entwickelt sich Mobilität zunehmend in Richtung der Plattform-Ökonomie.

3. Mobilität wird intermodaler und vernetzter.

Das Auftauchen neuer Player, die ihre Potentiale vor allem aus der Digitalisierung schöpfen, bringt neben der Forderung nach einer ausgeprägten Kooperationseinstellung zwei weitere Implikationen mit sich: Denn die digitale Vernetzung ermöglicht nicht nur mehr, sondern vielmehr völlig neue Mobilität. Dank der permanenten Kommunikation zwischen Verkehrsteilnehmer, der ihn umgebenden Infrastruktur und den eingesetzten Fahrzeugen sowie den modernen Möglichkeiten zur Datenanalyse, entsteht ein gänzlich neuer Mobilitätskosmos. Dieser zeichnet sich besonders durch eine datengetriebene, ständige und in Echtzeit ablaufende Situationsanalyse aus: Wo muss gerade in welchem Umfang welcher Mobilitätsbedarf bedient werden? Damit wird übrigens auch der Boden für eine zunehmend erfolgreiche On-Demand-Mobilität bereitet. In Summe heißt das schließlich: Datenbasierte Mobilitätsanalysen ermöglichen einen effizienteren, bedarfsorientierten und grüneren Verkehr.

Gleichzeitig sorgt die Digitalisierung für die Aufsplittung der individuellen Mobilitätskette in mehrere Bestandteile und Passagen: Über Plattformen, Netzwerke und Co. lassen sich unkompliziert unterschiedliche Fortbewegungsmittel für die verschiedenen Teilstrecken kombinieren. Das Ergebnis: Eine optimierte Wegekette entlang der jeweils effizientesten und nachhaltigsten Verkehrsmittel.

4. Mobilität wird vor allem auch zur gesellschaftlichen Frage.

Die Auffassung von Mobilität verändert sich: War das Auto jahrzehntelang eines der beliebtesten Statussymbole, verliert es heute zunehmend an Bedeutung. Vor allem in Städten besitzt eine immer größer werdende Anzahl überhaupt kein eigenes Auto mehr und greift stattdessen auf bedarfsorientierte Lösungen wie Carsharing zurück.

Damit wird allerdings auch deutlich: Mobilität befindet sich derzeit in einem Ungleichgewicht. Während die Städte zum Reallabor diverser, neuer Mobilitätsformen werden, bleibt der ländliche Raum bei diesen Fragen häufig noch unterrepräsentiert. Zu dem Stadt-Land-Gefälle kommt außerdem häufig noch eins der Generationen hinzu – denn die innovativen Mobilitätslösungen sind zumeist vor allem über das Smartphone buchbar. Dabei könnten gerade neue Formen wie On-Demand-Services Mobilität bedarfsgerecht ausgestalten – und das vollkommen unabhängig von der Verfügung über ein eigenes Auto.

Denn als unkomplizierte Lösung zur Überbrückung der ersten und letzten Meile stärken On-Demand-Services den bestehenden ÖPNV und ermöglichen Mobilität für jeden, überall und jederzeit.

Neuester Artikel

Das Wiener Modell

Das Wiener Modell

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien gehören zur internationalen Spitze. Das Netz ist dicht und der Takt ist eng. Es ist so gut ausgebaut, dass man den Fahrplan faktisch gar nicht kennen muss. Insgesamt werden hier am Tag 2,61 Millionen Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B befördert. Die Beliebtheit lässt sich auch im Modal-Split erkennen, denn: Die ÖPNV-Nutzer haben die Autofahrer überholt. Rund 38 Prozent der Strecken werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, mit dem Auto „nur noch“ 27 Prozent.2 Doch was macht das imperiale Wien anders als andere Städte?

Verwandte Artikel

Das Wiener Modell

Das Wiener Modell

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien gehören zur internationalen Spitze. Das Netz ist dicht und der Takt ist eng. Es ist so gut ausgebaut, dass man den Fahrplan faktisch gar nicht kennen muss. Insgesamt werden hier am Tag 2,61 Millionen Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B befördert. Die Beliebtheit lässt sich auch im Modal-Split erkennen, denn: Die ÖPNV-Nutzer haben die Autofahrer überholt. Rund 38 Prozent der Strecken werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, mit dem Auto „nur noch“ 27 Prozent.2 Doch was macht das imperiale Wien anders als andere Städte?

Mobilität in der Stadt

Mobilität in der Stadt

Eine immer stärker werdende Urbanisierung unserer Gesellschaft ist klar erkennbar. Besonders junge Menschen verlegen ihren Lebensmittelpunkt vermehrt von ländlichen Regionen in die Städte. Daneben gibt es viele Pendler, die zwar nicht unmittelbar im Großstadtdschungel leben möchten, gut bezahlte Jobs jedoch vor allem in den Metropolen finden. Diese damit einhergehende Ballung in den Städten und die damit verbundenen zusätzlichen Verkehrsströmungen bringen Konsequenzen mit sich – vor allem auch für unseren immer grauer werdenden Planeten. Doch welchen Herausforderungen muss der städtische ÖPNV in Zeiten der Mobilitätswende in die Augen blicken? Und welche Rolle wird er selbst dabei spielen?